25. Mai 2026
Wie wir das britische Königshaus gebaut haben
166 Personen über fast 1000 Jahre, vollständig recherchiert und live im Graphen. Diese Notiz erzählt, wie das in drei Tagen entstand — und warum sich dabei zeigte, was unsere Kinship-Engine besser kann als jedes andere Werkzeug, das wir kennen.
Der Anlass
Die Habsburg-Demo war seit Mai 2026 live. Schön, eindrucksvoll, aber eine einzige Dynastie. Wir brauchten einen zweiten Beweis — eine Familie, die anders strukturiert ist, eine andere Sprache, eine andere Geschichte. Das britische Königshaus war der naheliegende Kandidat: international bekannt, lückenlos dokumentiert von 1066 bis heute, mit eigenen Verzwicktheiten, die unsere Engine ausreizen würden.
Tag eins — Datenstruktur
Wir starteten mit Wilhelm dem Eroberer (geboren ~1028) und arbeiteten uns vor zu Charles III. Erste Erkenntnis: das Königshaus ist nicht eine Linie, sondern eine Verzweigung. Die Tudors enden mit Elisabeth I., die Stuarts übernehmen, dann die Hannoveraner durch eine entfernte Cousine, dann Sachsen-Coburg-Gotha durch Albert, und schließlich Windsor durch Umbenennung im Ersten Weltkrieg.
Wir bauten ein Seed-Skript auf Neo4j, das die Personen und ihre Eltern-Kind-Beziehungen anlegt. 166 UUIDs, ein Familienbaum mit klaren Wurzeln und Verzweigungen. Erste Iteration: zwei Stunden Recherche, eine Stunde Skripten, eine Stunde Korrigieren. Dann lief der Graph durch.
Tag zwei — Lebensereignisse und Orte
Phase zwei war Ortsdaten und Lebensereignisse. Jede Person bekam: Geburtsdatum und -ort, Sterbedatum und -ort, dazwischen die wichtigsten Stationen. Bei Königen heißt das: Krönung, wichtigste Schlachten, Gesetzgebung, Heirat(en).
Wir nutzten Wikipedia als Primärquelle, mit Plausibilitäts-Checks: jedes Datum gegen die Eltern-Kind-Daten gegengeprüft (kein Kind kann vor seinen Eltern geboren werden, kein Kind später als neun Monate nach dem Tod des Vaters), gegen die eigenen Lebensspannweiten (keine Krönung nach dem Tod), und gegen die Genealogie-Konsistenz (wer zur gleichen Zeit König war, kann nicht woanders auch König gewesen sein).
Unser Tree Consistency Checker fand in dieser Phase sieben Datenfehler in der ersten Iteration. Ein Datum war vom 11. auf das 21. Jahrhundert verrutscht. Eine Krönung lag fünf Jahre nach der Beerdigung. Wir korrigierten, das System schwieg wieder.
Tag drei — Biografien und Fotos
Phase drei war Anreicherung. Für jede Person eine kurze Biografie — drei bis sechs Sätze, ehrlich, ohne Heldenmythos. Generiert mit Claude, dann manuell korrigiert, dann gespeichert. Klar als KI-generiert gekennzeichnet (das ist Pflicht aus unserem Schreibstil).
Fotos: ausschließlich gemeinfreie Werke von Wikimedia Commons — Renaissance-Portraits, viktorianische Fotos, offizielle Royal-Family-Portraits, alle CC oder PD. Pro Person ein Bild, mit Bounding-Box-Information für die Multi-Personen-Portraits (manche Tudor-Familienporträts zeigen sechs Personen auf einem Bild).
Was die Engine an dieser Familie besser kann
Heinrich VIII. war der erste Praxistest. Sechs Ehen, drei überlebende Kinder von drei verschiedenen Müttern. Maria I., Elisabeth I. und Eduard VI. sind Halbgeschwister. In den meisten Stammbaum-Tools würden sie als „Geschwister" angezeigt, was zwei Drittel der Geschichte unterschlägt. Unsere Engine zeigt: Maria und Eduard sind Halbgeschwister väterlicherseits. Elisabeth und Eduard sind Halbgeschwister väterlicherseits. Maria und Elisabeth sind Halbgeschwister väterlicherseits.
Victoria war der zweite Test. Neun Kinder, die meisten in europäische Häuser verheiratet — Edward VII. wurde britischer König, Alice von Hessen wurde Großmutter zaristischer und britischer Erben, Beatrice heiratete nach Spanien. Die Engine berechnet, dass Victoria über ihre Enkel mit Wilhelm II. von Deutschland, Nikolaus II. von Russland und Alfons XIII. von Spanien verwandt war — alle gleichzeitig.
Der dritte Test war der Übergang von Stuart zu Hannover. Sophia von Hannover wurde 1701 als Erbin festgelegt, weil sie die nächste protestantische Nachkommin Jakobs I. war. Bei strikter Stuart-Genealogie hätte es nähere Verwandte gegeben — aber die waren katholisch. Die Engine zeigt sauber, dass Sophia eine Cousine vierten Grades zur Krone war, und genau dort die Linie verzweigt.
Was wir gelernt haben
Drei Tage für 166 Personen heißt: pro Person knapp 90 Sekunden Arbeit. Das ist möglich, weil unsere Werkzeuge stimmen. Ohne KI-Bio-Generierung wären es eher zehn Minuten pro Person geworden. Ohne den Consistency Checker hätten wir Fehler erst in der Live-Demo entdeckt.
Was die Demo seitdem gezeigt hat: Leute klicken sich durch. Sie folgen Linien. Sie finden Beziehungen, von denen sie nicht wussten, dass es sie gibt — dass Wilhelm II. von Deutschland Victorias Enkel war, dass Charles III. ein direkter Nachkomme von Wilhelm dem Eroberer ist, dass Diana Spencer mit den Tudors über eine Seitenlinie verwandt war.
Das ist genau das, was Kinverse machen soll: aus Datenpunkten Verbindungen sichtbar machen, die im Schubladendenken untergehen.